Spuren

Ich möcht’ die Spuren,
die Du in mein Leben drücktest,
klein und zart,
für immer fühlen.

Die Samen, festgetreten,
sie sind erblüht.
Farbgewaltiger Blütenglanz,
beseelt von Deinem Duft.

Ich möcht’ die Lieder,
die in Deiner Stimme klangen,
leis’ und warm,
für immer hören.

Geflüsterte Worte,
in meine Welt entlassen.
Liebe in warmen Wogen
durch meine Erinnerung fließt.

Und so mancher Sommerhauch,
flüstert Deinen Namen.

Urh. weitblick
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spuren

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Die weibliche Festung

Wichtig ist, die Furt zu finden.
Tollkühn durch das Wasser schreiten.
Wichtig ist, den nächsten Schritt zu spüren,
zuversichtlich den Fuß zu setzen.

Kommt er ab, spürt die Beine tief versinken,
bleibt nur der schnelle Rückzug,
verstecke er sich
im Gebüsch,
einem nassen Köter gleich.

Doch allzu oft sah ich starke Kerle ertrinken,
gerüstet und gestriegelt,
im gestreckten Galopp in die Fluten preschend.
Verschlungen in brodelnder Tiefe,
nie mehr gesehen.

Und einen Rat, den geb’ ich euch noch!
Wird die Zugbrücke schon auf weite Ferne
herunter gelassen,
laden bunte Wimpel fröhlich ein:

Gebt Acht,
Gebt Acht!

Urh. weitblick
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Sommerabend

Sommerabend.

Ich liege auf dem Rücken,
Gras kitzelt meine Füße.
Die späte Abendsonne bricht sich in dem dunklen Rot
meines Weinglases.
Flüchtiger Wind haucht mir den
Duft von Jasmin in das Gesicht.
Schwalben jagen tanzend am Himmel,
aufgeregt rufend,
Akrobaten der Luft.
Leise klingt Tubular Bells aus verborgenen Lautsprechern,
eine Amsel singt ihr Lied dazu.

Denkst Du jetzt auch an mich?

 

sommerabend

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07.06. Alles Gute zum Geburtstag, Vater.

Um Deine Jugend betrogen,
wurdest in Gefangenschaft erwachsen.
Viel zu spät kamst Du frei.
Die Heimat: abgebrannt,
warst auch hier nur der Flüchtling.

Hast nie zurück geschaut,
stets geschuftet,
bei Null angefangen. Bist nach der Schicht
mit dem Rad
zum nächsten Job gehetzt,
hast uns ein Haus gebaut, die Baugrube mit Hand und Schaufel ausgehoben.

Nie geklagt, fünf Kinder groß gezogen,
Mutter hat jeden Pfennig dreimal umgedreht.
Kein Geld für Tinnef übrig.

Wie unendlich kostbar muss dir dieser eine,
schlichte Silberring,
den ich jetzt in meiner Hand halte,
gewesen sein.

Ich passe gut auf ihn auf.
Danke, Vater.

vater

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Seelenflug

Flieg, Seele flieg!
Zu lange warst Du schwach,
zu sehr.
Flieg, wo Du doch das Fliegen liebst.
Hast Dich festketten lassen,
schlugst verzweifelt mit den Flügeln,
vergebens, niedergedrückt am Boden.

Flieg mein Herz, flieg.
Jetzt bist Du frei.

Lass dich nie mehr einsperren.
Nie mehr.

Urh. weitblick
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seelenflug

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Des Frühlings letzte Blüte

Wo gehst Du hin,
wenn unser Frühling scheidet?
Wohin wendest Du deine Blüten,
die ich so gern liebkoste?

Wo gehst Du hin,
wenn aller Samen im Wind davon getragen,
wenn alle Farbe in der Sonne verblasst?
Wenn ich Dich bitten würde,
wohin würdest du dann gehen?

Urh. weitblick
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fruehlingsende

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Wolfsliebe

Der Wolf ๛

Im Unterholz liegt der Wolf.
Er hat sie gewittert,
schon auf weite Ferne.
Hat sich angeschlichen,
tief in die Pflanzen gedrückt,
lautlos, der Fährte folgend,
gegen den Wind.
Hat gewartet, ist weiter gerobbt,
hat ihren süßen Duft eingesogen und
dabei genüsslich die Lefzen gehoben.
Bis er in ihrer Nähe war.

Im Unterholz liegt der Wolf.
Lässt das Reh nicht aus den Augen.
Stets wachsam, verfolgt voller Verzückung
jede ihrer grazilen Bewegungen.
Berauscht sich an ihrem Duft,
bewundert den Schimmer auf ihrem Fell,
würde gern einmal ganz nah in ihre großen,
glänzenden Augen schauen.

Auf heller Lichtung steht das Reh.
Niemand wird ihm jemals etwas antun.
In ihrer Nähe liegt der Wolf,
passt auf sie auf.

Er liebt das Reh.

Urh. weitblick
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Kalender_2014_06

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