Fieber

Die Mutter liegt im Fieber,
atmet flach,
es geht ihr nicht gut.

Fieberträume jagen sie,
ihre Haut brennt
schrecklich,
Wunden reißen auf,
vielfach.
Es geht ihr wirklich nicht gut.

Immer verzweifelter,
immer ängstlicher,
drastischer
versucht sie sich zu wehren.
Immer stärker wird die klamme Angst.

Was ist,
wenn sie es nicht schafft?

Was ist,
wenn sie ihren Parasiten nicht los wird?

(weitblicklyrik.de)

Teile dies:

Ich wünschte es wär’ schon Frühling,

Ich wünschte es wär’ schon Frühling,
der laue Wind spielt wieder mit Deinem Haar.
Ich wünschte es wär’ diese grüne Wiese,
die so viel von uns weiß und doch schweigt.

Schüchterne Sonne bricht sich in
Deinen Augen.
Eine Blüte steckt in deinem Haar.
Meine Lippen an Deinem Hals.

Nur ein Reh betrachtet scheu
hüllenloses Treiben.

Teile dies:

Regenzeit

Sie kam ganz still über Nacht.
Erst verhalten flüsternd,
dann mit stetig steigender Kraft.
Erfreut;
die Mutter
öffnet weit ihren Kelch.
Blütenglanz aus Staub erwacht.

Zu lange war die Trockenheit.
Hitze, Sturm und Flammenschlag
hatten sie taub gemacht.

Tropfen
für Tropfen
in sie rinnt.

Tropfen
für Tropfen
die Erlösung bringt.

Regenzeit.

 

Teile dies:

Danach

Und wenn
ich einmal gehen muß,
dann leg‘ mir keine Schnittblumen auf das Grab.

Pflanze Sommerflieder,
Lavendel und Salbei,
damit all‘ die Hummeln und Schmetterlinge
mich besuchen kommen,
an den Blüten naschen,
mir vom Sommer erzählen.

Pflanze Katzenminze,
damit mich in der Nacht
all‘ die Streuner besuchen kommen,
bei mir liegen mit samtenen Pfoten,
und mit geheimnisvoll, irisierenden Augen
von ihren Ausflügen erzählen.

Und zum Schluß,
pflanze ein tränendes Herz,
damit auch Du
ab und an
wiederkommst.
(weitblickpoesie.de)

Pinterest:

 

Teile dies:

Tag der Tiere

„Ich könnt‘ mich jetzt ja mal putzen“, dachte sich die Katze und stahl sich aus ihrem Schlafplatz unterhalb meines Liegestuhls.
Putzen, das geht nur, wenn einem die Menschen, die ihre Beine selbst nicht mehr halb so weit in die Luft strecken können, wie Katz’ es kann, dabei zuschauen.
So saß sie wenig später auf dem hölzernen Gartentisch und putzte sich mit hinterhältigem Grinsen dort, wo nie die Sonne scheint.
Und somit endet nun mein Tag der Tiere.

Er begann damit, dass die Amselküken im Nest auf dem Holzstapel hinter dem Haus, ihre kollektive Nestflucht beschlossen.

Weiterlesen

Teile dies:

Frau Luna

Ich spür’ Dich schon,
spür’ Dich schon den ganzen Tag.
Meine Sinne köcheln,
mein Blut, es rauscht.
Ich nehm’ die Witterung auf.

Ich spür‘ Dich schon,
Dein Versteck –
hinter dem Horizont,
es nutzt dir nichts.
Ich spür’ Dich schon den ganzen Tag.

Komm‘ raus,
Vollweib,
dusche mich mit deinem Licht.
Meine Haare,
die Rute,
sie stellen sich auf.

Bring‘ mich zum Heulen,
mit Deiner runden,
üppigen Pracht.
Ich belle Dich an, bin dir verfallen,
Du hast mich in Deinem Bann.

(weitblickpoesie.de)

 

Frau Luna und der Wolf

Frau Luna und der Wolf

Teile dies:

Pusteblume

Ich halte inne, wenn Du vor einer Pusteblume in die Hocke gehst,
male mir Deinen Gesichtsausdruck in die Synapsen,
lächelnd,
das kleine Mädchen erwacht in Dir.

Und wenn Du sacht,
mit gespitzten Lippen,
einen üppigen Pusteblumentanz verursachst,
wär’ ich gern einer der kleinen Schirme,
die durch Deinen Atem schwerelos werden.

Aber eigentlich bin ich das auch so.

 

Pusteblume

http://weitblickpoesie.de

Teile dies:

Flieg!

Seit Tagen spürst du die Unruhe in Dir.

Und wenn Du beginnst zu krabbeln, das erste Mal deine Wabe verlässt,
und du spürst die Sehnsucht,
unbändiger Wille leitet dich.
Du suchst die Luft, willst die sagenhafte Sonne sehen.
Und du krabbelst die Gänge entlang.
Wirst sicherer, aufgeregter, schneller, willst es spüren!
Eine Kurve noch,
es wird heller.
Und dann bist Du da. Die Wächterinnen grüßen dich.
Wie groß, wie weit, wie schön!
Wie hell, wie warm.
Welt!
Du zögerst einen Augenblick und dann wirfst du dich der Sonne entgegen,
zum allerersten Mal spürst die Luft an Dir vorüberziehen.
So zart die Flügel, so kraftvoll ihre ersten Schläge sind.
Du kannst fliegen!
Flieg,

FLIEG.

Jauchzend der Weite entgegen, duftende Blüten locken dich.
Welt, du bist so schön.

Flieg!

Teile dies:

Samaha – Der Frühling

Samaha, die Wolke,
über den Horizont glitt.
Leis’ summte sie ein Lied,
und in ihrem Gefolge
die Kraniche mit lautem Trompetenruf.
Und überall, in der Erde,
auf der Erde und in der Luft,
da wussten die Geschöpfe:
Samaha bringt den Frühling mit.
Und die Kraniche.

Samaha, die Wolke,
über den Horizont glitt.
Und die Kraniche kündigten sie an.
Unten in den Feldern, da stand ein Liebespaar,
Hand in Hand.
Sie träumten vom Sommer,
träumten von ihrem Lager in den Feldern,
in denen sie niemand sah,
außer Samaha.

Sie hoben die Hände und winkten ihnen zu.

Willkommen,
Willkommen.

wolke

Teile dies: